Sind mit den neuen Züchtungsmethoden des Genome Editing gewonnene Organismen generell „gentechnisch verändert“ und müssen nach dem seit den 1990er Jahren geltenden Gentechnikgesetz reguliert werden? Oder können sie – sofern die genetische Veränderung auch auf „natürlichem“ Wege hätte entstehen können -  von der Regelung ausgenommen werden?

 

In der Europäischen Union und in Deutschland gibt es dazu bislang keine rechtsverbindliche Einstufung. Diese Unsicherheit lähmt auch die hiesige Forschung in den Bio- und Agrarwissenschaften. Nun steht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) an.

 

 

 Die methodischen Fortschritte haben die klare Unterscheidbarkeit zwischen „natürlichen“ und „nicht-natürlichen“ Verfahren verschwimmen lassen. Einige Genom-editierte Pflanzen sind von natürlichen nicht unterscheidbar. Die einzelne Mutation, die in ihnen wirksam ist, hätte auch zufällig entstehen können – so wie sie immer und unablässig stattfinden kann; mehr noch:  Mutationen sind Motoren für genetische Vielfalt.

 

 

Der Generalanwalt des EuGH hat jüngst nun vorgeschlagen, durch Mutagenese gewonnene Organismen grundsätzlich von den in der EU-Richtlinie über genetisch veränderte Organismen geregelten Verpflichtungen auszunehmen. Demnach würden Punktmutationen, wie sie auch durch Methoden des Genome Editing erzielt werden können, nicht zu "gentechnisch veränderten Organismen" führen. Die schlussendliche Entscheidung des EuGH wird von zentraler Bedeutung für die Nutzung der Methoden für die Pflanzenzüchtung sein.